Richtlinien und Verordnungen

1. EuP-Richtlinie (= 2005/32/EG - Verabschiedung am 06.07.2005):
Anforderungen zur umweltgerechten Gestaltung energiebetriebener Produkte (EuP = Energy using Products) - auch als Ökodesignrichtlinie bezeichnet

2. ErP-Richtlinie (= 2009/125/EG - Ersetzt die EuP-Richtlinie, in Kraft getreten am 21.10.2009):
Anforderungen zur umweltgerechten Gestaltung auch für energieverbrauchsrelevanter Produkte (ErP = Energy related Products)
Detaillierte Erläuterungen zur ErP-Richtlinie finden sich unter:
http://www.ebpg.bam.de/de/richtlinie/index.htm

3. Verordnung 640/2009 (sog. „Motorenverordnung“, in Kraft getreten am 22.07.2009):
Anforderungen zur umweltgerechten Gestaltung von Elektromotoren und den Einsatz von elektronischer Drehzahlregelung. Diese gelten auch, wenn sie in andere Produkte eingebaut werden (z. B. Maschinen).

4. Änderungsverordnung 4/2014 ändert die Verordnung 640/2009; tritt in Kraft am 27.07.2014.
Anpassungen der Verordnung bezüglich der Aufstellhöhe und den Temperaturen

Die von der EU ausgegebenen Richtlinien stellen die rechtliche Grundlage dar und müssen zunächst von den Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. Sie enthalten keine expliziten Vorgaben. Die konkreten Verpflichtungen für die betroffenen Nutzergruppen (siehe unten) entstehen erst mit Verabschiedung von Durchführungsmaßnahmen pro Produktgruppe (u. a. Elektromotoren).

Die Durchführungsmaßnahme für Elektromotoren ist die oben genannte Verordnung 640/2009, die durch die Verordnung 4/2014 geändert wurde, und Mindestwirkungsgrade seit dem 16.06.2011 vorschreibt.

Die EuP-Richtlinie (=2005/32/EG) wurde durch das Gesetz über die umweltgerechte Gestaltung energiebetriebener Produkte (EBPG) in deutsches Recht umgesetzt (Inkrafttretung am 07.03.2008).

Im Jahr 2009 wurde die EuP-Richtlinie durch die ErP-Richtlinie ersetzt. Dadurch war auch eine Anpassung des EBPG nötig. Dieses wurde durch das Gesetz über die umweltgerechte Gestaltung energieverbrauchsrelevanter Produkte (EVPG), das am 25.11.2011 in Kraft getreten ist, geändert.
  
Zuständig für die Umsetzung des Gesetzes ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi).

Wie sieht der Zeitplan für die Umsetzung der VO 640/2009 und der VO 4/2014 aus?

  • ab 16.06.2011 müssen neu in Verkehr gebrachte Motoren mind. Wirkungsgradklasse IE2 erreichen
  • ab 27.07.2014 gelten neue Regelungen für die Ausnahmen (VO 4/2014)
  • ab 01.01.2015 müssen neu in den Verkehr gebrachte Motoren mit einer Nennausgangsleistung
    von 7,5 bis 375 kW entweder mind. Wirkungsgradklasse IE3 erreichen, oder der Wirkungsgradklasse IE2
    entsprechen, dürfen dann aber nur mit einer elektronischen Drehzahlregelung betrieben werden
  • ab 01.01.2017 müssen neu in den Verkehr gebrachte Motoren mit einer Nennausgangsleistung
    von 0,75 bis 375 kW entweder mind. Wirkungsgradklasse IE3 erreichen, oder der Wirkungsgradklasse IE2 entsprechen, dürfen dann aber nur mit einer elektronischen Drehzahlregelung betrieben werden

Es zählt das Datum des Inverkehrbringens in der EU. Ältere Antriebe, soweit sie vor dem Stichtag in der EU Inverkehr gebracht wurden, darf der Kunde, wann und wie auch immer, in seine Anlagen einbauen, ausliefern und in Betrieb nehmen. Sogar der Weiterverkauf des Antriebes ist dann nicht mehr vom Datum betroffen.

 

 

Für welche Motoren gelten Ausnahmen von der Verordnung?

  • Motoren, die dafür ausgelegt sind, ganz in Flüssigkeit eingetaucht betrieben werden
  • Vollständig in ein Produkt eingebaute Motoren, deren Energieeffizienz nicht unabhängig von diesem Produkt erfasst werden kann
  • Motoren, die speziell für den Betrieb unter folgenden Bedingungen ausgelegt sind:
    • In Höhen über 4.000 Meter über Meeresspiegel (Änderung VO 4/2014)
    • Bei Umgebungstemperaturen über 60° C (Änderung VO 4/2014)
    • Bei Betriebshöchsttemperaturen über 400° C
    • Bei Umgebungstemperaturen unter -30° C (beliebiger Motor) bzw. bei Umgebungstemperaturen unter 0° C (luftgekühlter Motor) (Änderung VO 4/2014)
    • Bei Kühlflüssigkeitstemperaturen am Einlass eines Produktes unter 0° C oder über 32° C (Änderung VO 4/2014)
    • In explosionsgefährdeten Bereichen im Sinne der Richtlinie 94/9/EG des Europäischen Parlaments und des Rates
  • Bremsmotoren
    Die EU-Kommission geht nach Vorschlag vom italienischen Vertreter davon aus, dass ein Bremsmotor im Start-Stop-Betrieb genutzt wird.
    Dieses wiederholte Starten des Bremsmotors verbraucht mehr Energie als während des Betriebes als Energiesparmotor eingespart werden könnte.

Die Verordnung bestimmt Motoren im Dauerbetrieb als betroffen. Dieses ist keine technische Beschreibung. Interpretiert wird dieses gemäß IEC 60034-1:

  • als S1 Dauerbetrieb oder
  • als S6 Dauerlauf mit periodischen Lasten oder
  • als S9 Dauerbetrieb mit nichtperiodischen Last- und Drehzahländerung oder
  • als S3 Aussetzbetrieb mit 80% und mehr Einschaltdauer

Diese S3 Einschaltdauer ist in der Norm mit einer beispielhaften Zeitdauer von 10 min beziffert. Sinngemäß darf der Motor seine Beharrungstemperatur nicht während des 1. Einschaltens erreichen sondern erst nach mehrmaligen Ein- und Auschalten mit Pause. Drehstrommotoren erreichen innerhalb von 2-3 Stunden nahezu den thermischen Endpunkt. Somit stellt die Angabe von 2 Stunden einen ungefähren Zeitrahmen der maximalen Spieldauer für S3 dar. Der Grenzwert 80% stellt dann sicher das es sich tatsächlich um einen Betrieb des Motors mit Stillstandspausen handelt. Z.B. Motoren in der Betriebsart S3/75% sind von der Verordnung nicht betroffen.

 

Wer ist von der Richtlinie / Verordnung betroffen?

  • Hersteller eines energiebetriebenen Produktes
  • Importeure eines energiebetriebenen Produktes
  • Händler
  • Behörden der Marktaufsicht
  • Verbraucher

Wie grenzt sich die IEC-Norm 60034-30 von der Motorenverordnung 640/2009 ab?

  • Norm IEC 60034-30-1:2014 definiert Wirkungsgradklassen von Motoren und legt somit eine weltweit einheitliche Vorgabe fest,
    sagt aber nicht aus ob Motoren eine bestimmte Wirkungsgradklasse besitzen müssen
  • daher regeln die Verordnungen 640/2009 und 4/2014 die Mindestanforderungen für die Europäische Union

 

Darf der IE1-Motor nach dem 16.06.2011 bzw. IE2-Motor nach dem 01.01.2015 auch weiterhin in Europa verkauft werden?

Ja, die Verordnung lässt verschiedene Ausnahmen zu, z.B.

  • wenn der Antrieb als Bremsmotor ausgeführt ist,
  • wenn der Antrieb nicht für den Dauerbetrieb gestempelt ist,
  • wenn die Leistung kleiner als 0,75 kW ist,
  • wenn es ein polumschaltbarer Motor mit 2 Drehzahlen ist,
  • wenn durch konstruktive Maßnahmen der Motor über die beschriebenen Grenzen (-30°C ... 60°C) hinaus befähigt wird.
    Der Einsatztemperaturbereich kann dabei in den beschriebenen Grenzen enthalten sein: z. B. -40°C ... +40°C durch spezielles Kugellagerfett und Metalllüfter und andere Dichtungen.

 

Ist ein Antrieb mit Motortyp IE2-Motor betrieben am Umrichter ausgenommen?

Ja, der Betrieb des Motortyps IE2 am Umrichter stellt eine Ausnahme im Sinne der VO640/2009 dar. Es ist dabei allerdings sicher zu stellen, dass der Motor auch zur Verwendung am Umrichter gekennzeichnet wird. Im Zuge der Umsetzung der Stufe 2 der VO640/2009 wird die Bestellabwicklung entsprechend so angepasst, dass die Verwendung als Umrichterantrieb für den Motortyp IE2 anwählbar wird.

Ist der Getriebemotor in Europa von der Verordnung ausgenommen?

Nein, der Getriebemotor ist in Europa nicht ausgenommen. Auch Getriebemotoren müssen nach der Verordnung ausgeführt werden. Ausgenommen sind nur Motoren, die komplett in eine Maschine integriert sind. Deren Wirkungsgrad kann nicht ohne Maschine gemessen werden, z.B. eine Pumpe, bei der der Stator des Motors in das Pumpengehäuse integriert ist. Der direkt ans Getriebe angebaute Motor eines Getriebemotors ist separat messbar und somit von der Verordnung betroffen.

Darf ein IE1/IE2-Motor repariert und wieder eingebaut werden?

Wir dürfen IE1/IE2-Antriebe reparieren und diese reparierten Antriebe auch nach dem 16.06.2011/01.01.2015 zurück an den Kunden liefern.
Der Umfang der Reparatur ist dabei nicht spezifiziert.

Ersatzantriebe gelten als Neugeschäft und stellen ein neues Inverkehrbringen eines Antriebs dar. Deshalb muss der Ersatzantrieb der VO 640/2009 entsprechen. 

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